Der Verwaltungsbericht des Landrates zur Kreistagssitzung vom 16. Oktober 2014

Anrede,

„Arbeitslosenquote sinkt gegenüber August deutlich“, mit dieser Headline erfreute die NWZ Anfang des Monats ihre Leser. Tatsächlich ist die Arbeitslosenquote für den Landkreis Ammerland im September mit 4,3 Prozent wieder erfreulich niedrig und liegt nur 0,1 Prozent über dem Vorjahr. Grund für diese leichte Erhöhung im Vergleich zum Vorjahr ist, dass das Jobcenter im September 2013 eine sehr große Maßnahme mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Personenkreis der über 50-Jährigen an einen externen Träger vergeben hatte, was dazu führte,
dass die Teilnehmer nicht mehr als arbeitslos geführt wurden. Dieser Sondereffekt wiederholt sich in diesem Jahr nicht. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent liegt das Ammerland aber auch weiterhin auf einem Spitzenplatz im Vergleich zu allen Landkreisen und Städten in Niedersachsen (Platz 5 von 46). Am Stichtag waren 2.746 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 89 Personen mehr als im Vorjahr, aber 161 weniger als noch im August. Die Arbeitslosigkeit verteilt sich je zur Hälfte auf die Rechtskreise SGB III in der Zuständigkeit der Agentur für Arbeit und SGB II in der Zuständigkeit des Jobcenters Ammerland.

Leicht fallende Zahlen vermeldet auch unsere Ausbildungsplatzinitiative: 363 Ausbildungsplatzsuchende (Vorjahr 387) haben sich daran beteiligt. 359 Schülerinnen und Schüler haben inzwischen entweder einen Ausbildungsplatz erhalten, eine Langzeitpraktikumsstelle angetreten oder sich für den weiteren Schulbesuch, ein Studium oder ein Freiwilliges Jahr entschieden.Vier Jugendliche sind noch unversorgt.

Bildung hat sich auch ausdrücklich eine Einrichtung unseres Landkreises auf die Fahnen geschrieben, die in diesem Jahr bereits 20 Jahre alt ist:
das Umweltbildungszentrum Ammerland. Es feierte den Umzug in neue Räumlichkeiten und sein Jubiläum im Beisein des Niedersächsischen
Ministers für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Stefan Wenzel und vielen weiteren Gästen bei strahlendem Sonnenschein. Die Gäste zeigten
sich sehr angetan von dem gelungenen Umbau des ehemaligen Übungshauses zum Umweltbildungszentrum, den unser Eigenbetrieb Immobilienbetreuung durchgeführt hat.

Abgeschlossen sind auch weitere Projekte der IB: Auf dem Gelände des Klinikzentrums Westerstede wurde der Bau der Entsorgungshalle in direkter Nachbarschaft zum Logistikzentrum im August fertiggestellt. Der Technische Dienst der Ammerland Klinik hat das Gebäude bereits in Betrieb genommen.

In Abstimmung mit der Stadt Westerstede und der Schulleitung wurde in der Hössenschule eine Hälfte des Dachgeschosses für eine Nutzung
durch das Ammerländer Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe (AAfG) geräumt. Nach dem Umzug des Ausbildungszentrums in die Hössenschule, der voraussichtlich in den Herbstferien stattfinden wird, ist dann das Baufeld für die Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapiefrei.

Für diese neue Fachklinik, ein Bauvorhaben der Karl Jaspers Klinik auf dem Gelände der Ammerlandklinik, ist das Architekturbüro Gerlach
Schneider Partner in Bremen über ein Auswahlverfahren nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen mit der Planung beauftragt
worden. Aktuell ist der Bauantrag beim Landkreis Ammerland zur Genehmigung vorgelegt worden. Für Februar 2015 ist der Baubeginn geplant, fertiggestellt wird die Fachklinik voraussichtlich zum Ende des dritten Quartals 2016.

In Rastede wurde zur Schaffung einer Außenstelle für das Jobcenter ein Ladenlokal angemietet und von der IB kurzfristig für diesen Bedarf umgebaut. Damit wird die seit Jahren in Rastede herrschende Raumnot gelöst. Im Gegensatz zu der vorher eher ungünstigen Situation, bei der sich vier Berater zwei Räume teilen mussten, steht jetzt jedem Mitarbeiter ein eigenes Büro zur Verfügung, was die Kapazität für die Beratungszeiten quasi verdoppelt.

Abgeschlossen wurden im Programmjahr 2014 auch diverse Maßnahmen im Straßenbau: Der Neubau des Radweges von Hollriede nach
Tarbarg (K 114) wurde im August 2014 fertiggestellt. Die Sanierung des Radweges von Godensholt nach Apen (K 121) ist ebenfalls beendet.
Auch die Erneuerung der Schulstraße in Wahnbek (K 144) konnte Anfang Oktober 2014 - mit Verzögerung - abgeschlossen werden. Im Zuge
dieser Baumaßnahme hatte sich herausgestellt, dass umfangreichere Arbeiten erforderlich waren als zunächst angenommen: Nach Entfernen
der Rinne stellte man fest, dass auch die Borde beidseitig auf der gesamten Länge dringend erneuert werden mussten.

Im Wesentlichen abgeschlossen wurde auch die Moorsstreckensanierung. Der in diesem Jahr zur Verfügung gestellte Betrag von 300.000 Euro
ist für die Sanierung der Birkenstraße (K 144) und der Kleibroker Straße (K 133) vorgesehen. Die Arbeiten an der Birkenstraße konnten im
September 2014 beendet werden. In der Kleibroker Straße sind abschnittsweise noch Geozellen zur Verstärkung des Fahrbahnrandes zu
verlegen sowie Fahrbahnabschnitte zu asphaltieren. Wegen der temporär erforderlichen Vollsperrung sind diese Arbeiten für die Herbstferien
vorgesehen.

Von unseren Radwegen und Straßen machen wir einen Abstecher auf die Datenautobahn, die im Landkreis Ammerland noch immer weiße Flecken aufweist: Um diese Versorgungslücken zu schließen, streben wir flächendeckend eine FTTC-Versorgung (Fiber To The Curb, Glasfaseranbindung und Überbau von Kabelverzweigern) mit mindestens 30 Mbit/s an. Alternativ wird eine FTTB-Planung (Fiber To The Building, Glasfaseranschluss direkt zu Gebäuden) erstellt. In diese Planung werden auch Gewerbegebiete und öffentliche Einrichtungen einbezogen. Wichtiger Bestandteil und Grundlage der Strukturplanung, die vom Land Niedersachsen und der EU mit 54.000 Euro finanziell gefördert werden, sind Daten zur Breitbandverfügbarkeit und zum Breitbandbedarf, die in einer Online-Umfrage ermittelt wurden (Beteiligung: fast vier Prozent der Bevölkerung).

Weiße Flecken kennzeichnen nicht nur die Breitbandversorgung, sondern beschäftigen auch die Demenzforschung. So sind sie bei Untersuchungen des Gehirns im Bereich der Magnetresonanztomografie spezifische Anzeiger für bestimmte Demenz-Formen. Da es auch in unserem Landkreis immer mehr Menschen (1.800) gibt, die von dieser Erkrankung betroffen sind, hat der Landkreis Ammerland seinen „Ratgeber Demenz“ überarbeitet. Entstanden ist ein umfangreicher Wegweiser, der Möglichkeiten aufzeigt, der Erkrankung aktiv zu begegnen. Der Ratgeber kann auf den Internetseiten des Seniorenservicebüros und des Gesundheitsamtes gelesen und heruntergeladen, aber auch als Druckausgabe per Post angefordert werden. Darüber hinaus zeigt unser Seniorenservicebüro in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Ammerland vom 20. Oktober bis 7. November im Kreishaus Westerstede die Ausstellung "Demenz mal(t) anders!". Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm mit Filmen und Vorträgen begleitet.

Vor Demenz kann eine Impfung nicht schützen, vor schweren Infektionskrankheiten schon. Daher führt der Jugendärztliche Dienst des Gesundheitsamtes Westerstede seit 22 Jahren bei den Siebtklässlern im Ammerland eine Impfpassleseaktion durch, um durch Aufklärung über den individuellen Impfstatus der Kinder einen vollständigen Impfschutz in allen Altersgruppen zu fördern. In diesem Jahr hat das Gesundheitsamt des Landkreises Ammerland bei 1409 (2013: 1425) Schülern den Impfpass durchgesehen. 54 Schulklassen (2013: 64) haben an der Aktion teilgenommen. Die Klassenverbände mit dem besten Impfschutz wurden auch in diesem Jahr ausgezeichnet.

Mit einem Blumenstrauß begrüßt wurde Faeza Mohammed Niyazi. Sie ist die fünfhundertste neue Staatsbürgerin, die wir im Landkreis Ammerland begrüßen durften. In den vergangenen sieben Jahren ist die Anzahl der Einbürgerungen im Landkreis Ammerland annähernd gleich geblieben (2007: 68, 2013: 74). Eingebürgerte Ausländer waren im Schnitt 26 Jahre alt und lebten durchschnittlich seit fast 13 Jahren in Deutschland.

Gestiegen ist die Zahl der Asylbewerber: Allein im Jahr 2014 haben wir im Landkreis 212 neue Asylbewerber zugewiesen bekommen, die auf
alle Gemeinden verteilt worden sind. Sie sind meist zentral in Wohnhäusern untergebracht. Von den noch nicht schulfähigen Kindern besuchen
13 einen Kindergarten, die Kinder im schulfähigen Alter besuchen bereits die Schule. Im nächsten halben Jahr ist mit weiteren 150-200 Asylbe-
werbern zu rechnen. Die Flüchtlinge, kommen überwiegend aus Syrien, dem Irak, dem Iran und dem Sudan.

Nicht durch Zuweisung, sondern gezielt sind seit 1978 angehende Ärztinnen und Ärzte im praktischen Jahr in die Ammerland-Klinik als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen gekommen. Den zugrunde liegenden Vertrag hatte die Universität Göttingen – wie gegenüber allen ihren Lehrkrankenhäusern – Anfang des Jahres gekündigt. Man hätte sich im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens erneut als Lehrkrankenhaus bewerben können. Die Ammerland-Klinik ist aber einen anderen Weg gegangen: Durch die Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrkrankenhaus war es möglich, aufgrund der dort vertretenen medizinischen Disziplinen als Klinik-Zentrum Westerstede, also als zivilmedizinische Kooperationspartner, mit der Medizinischen Hochschule Hannover eine neue Basis für eine Zusammenarbeit zu finden und wieder als Lehrkrankenhaus tätig zu werden. Die entsprechenden Verträge sind ausgehandelt und stehen vor der Unterzeichnung.

Und zu guter Letzt noch drei Informationen über Beschlüsse aus dem Kreisausschuss (Jugendhilfeausschuss, Ausschuss für Sport und Kultur,
Ausschuss für Feuerschutz- und Bauwesen):

Der Kreisausschuss des Landkreises Ammerland hat für die Schaffung von insgesamt 75 Krippenplätzen und 25 Kindergartenplätzen in Linswege, Westerloy, Hollwege, Friedrichsfehn und Rostrup fast 154.000 Euro an Zuschüssen gewährt. Mit der Betreuungsquote im Ammerland, die zurzeit bei 43 Prozent (2007: 8%) liegt, stehen wir im Vergleich zur bundesweiten Quote von 32 Prozent ausgesprochen gut da. Mit Mitteln in Höhe von über 30.000 Euro werden wir im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 64 kulturelle Veranstaltungen von elf Veranstaltern, die in diesem Zusammenhang Förderanträge gestellt haben, bezuschussen. Im Rahmen des Sportförderprogrammes 2015 werden vorbehaltlich der Haushaltsmittelausweisung 181.200 Euro zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag wird den Schützenvereinen in Ekern, Godensholt und Rostrup die Realisierbarkeit von elektronischen Scheibenanlagen erleichtern. Außerdem erhalten Bad Zwischenahn und Rastede Unterstützung im Rahmen der Drittelförderung für die Anlegung von Sportplätzen.

Der Unterricht der plattdeutschen Sprache an 26 Ammerschen Grundschulen wird bereits seit Jahren finanziell gefördert. Da dieses Angebot
ab sofort auf die ersten und zweiten Klassen der Grundschulen ausgedehnt wird, haben wir dafür weitere Mittel in Höhe von 8.000 Euro vorgesehen. In 2015 soll die plattdeutsche Sprache über das Projekt „Plattdeutsch in der Altenpflege“ auch an den Berufsbildenden Schulen gefördert werden. Dafür wird voraussichtlich ein Betrag von 2.000 Euro zur Verfügung gestellt werden.

Ich komme nun noch zu verwaltungsinternen Informationen: Das Amt für Kreisentwicklung wurde zum 1. Oktober aufgelöst und die Aufgabenbereiche wurden folgenden Ämtern zugeordnet: Der Öffentliche Personennahverkehr wurde an das Schul- und Kulturamt (Amt 40) angegliedert, die Touristik an das Amt für Wirtschaftsförderung (Amt 85), die Kreisplanung und -entwicklung, Bauleitplanung und Raumordnung an das Bauamt (Amt 63). Das Bauamt (Amt 63) wurde in das Amt für Bauwesen und Kreisentwicklung umbenannt.

Keine Veränderungen soll es bei dem goldenen Oktoberwetter geben,
das Sie hoffentlich nach Kräften genießen!
 
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