Kulturdenkmale, Herrenhäuser und Mühlen

Eine Vielzahl von Kulturdenkmalen kennzeichnet das Ammerland, teils weithin sichtbar und prägend für Stadt und Dörfer, teils versteckt als Kleinode, meist liebevoll gepflegt, manchmal auch scheinbar vergessen.

Alle sechs Ammerländer Gemeinden haben in ihren Zentren der früheren Kirchspiele ihre schlichten, mehrfach renovierten romanischen Kirchen aus dem 11./12. Jahrhundert. Die St. Johannes-Kirche in Wiefelstede als älteste Kirche des Ammerlandes soll 1057 durch Erzbischof Adalbert von Bremen gegründet worden sein. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die St.-Ulrichs-Kirche in Rastede mit der für Norddeutschland bedeutsamen Krypta, die noch Zeugnis ablegt von der langen Geschichte Rastedes als Benediktinerkloster, welches bis ins 16. Jahrhundert bestand. Überragend ist mit 48 m der Turm der St.-Petri-Kirche für die Kreisstadt Westerstede. Die Johanniskirche in Bad Zwischenahn, die St. Nikolai-Kirche in Edewecht und die St.-Nikolai-Kirche in Apen beeindrucken durch ihre Bauweise mit Ziegeln und behauenen Feldsteinen. Eine Besonderheit sind zudem die überwiegend um ca. 1650 entstandenen Glockentürme neben den Kirchen.
An anderen Stellen geht es herrschaftlich zu: Das Schloss der ehemaligen Oldenburger Herzöge in Rastede auf dem früheren Klostergelände ist umgeben von Gartenanlagen im Stil eines englischen Landschaftsparks (entworfen von dem berühmten Hof- und Landschaftsarchitekten Bosse). Mit großem Engagement wirkt der Freundeskreis Schlosspark e.V. für die Erhaltung dieses großartigen Gartendenkmals. Gegenüber vom Schloss befindet sich in dem historisch ebenfalls bedeutsamen Palaisgarten das Palais Rastede, das Ende des 18. Jahrhundert errichtet und 1822 durch Herzog Peter Friedrich Ludwig für seinen Sohn, den Erbprinzen erworben und repräsentativ mehrfach umgestaltet wurde. Das Palais ist seit vielen Jahren langfristig von der Gemeinde gepachtet und für vielfältige kulturelle Aktivitäten dem Kunst- und Kulturkreis Rastede zur Verfügung gestellt.

Das Wasserschloss Fikensholt, eigentlich mehr ein Herrenhaus, entstand bei Westerstede in der zweiten. Hälfte des 18. Jahrhunderts als zweigeschossiger Putzbau. Sehenswert sind weiter die Herrenhäuser Gut Wahnbek, Gut Hahn und Gut Loy, alle in Rastede gelegen. Ein Beispiel für die sehr gelungene Restaurierung eines Herrenhauses mit Nutzung auch für die Öffentlichkeit befindet sich in Wiefelstede mit dem Gut Horn, das in den 1860er Jahren als klassizistischer Putzbau errichtet wurde. Entstanden ist das Gut Horn aus einer ehemaligen mittelalterlichen Burganlage.An mehreren Hügeln in der Landschaft, ehemaligen Standorten von Burgen (Motten), sind die mittelalterliche Geschichte des Ammerlandes und die Auseinandersetzungen mit den ostfriesischen Nachbarn nachvollziehbar. Beispielhaft seien die ehemalige Burg Mansingen in Westerstede, die Hügel in Dreibergen am Nordufer des Zwischenahner Meeres, die ehemalige Burg Apen und die Bokeler Burg in Wiefelstede genannt.

Von den zahlreichen Mühlen des 19. Jahrhunderts sind im Ammerland einige, so z. B. in Westerscheps und Osterscheps in der Gemeinde Edewecht, durch Initiative der Eigentümer gut erhalten. Kurz vor dem Verfall wurde der am Aper Tief in Apen-Hengstforde gelegene Galerieholländer gerettet, ebenso die in dieser Region jüngste Windmühle, ein um 1910 errichteter moderner Eisenbetonbau in Bad Zwischenahn-Ekern. Sehenswert ist auch die Howieker Wassermühle mit ihrem unterschlächtigen Wasserrad im Süden Westerstedes. Hier hat sich der Heimatverein erfolgreich der Pflege und der Erhaltung des Ensembles angenommen. Eine weitere Mühle, die aus Westerstede-Hüllstede versetzt wurde, befindet sich im Freilichtmuseum in Bad Zwischenahn, das weitsichtige Bürger mit dem Bau des ersten ländlichen Gehöftes in Bad Zwischenahn schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts begründet haben. Nach wie vor ist dieser Bereich mit den vielen dorthin versetzten Ge-bäuden des ländlichen Raumes Anziehungspunkt für Kurgäste und Touristen. Lebendig und rund um die Uhr zugänglich ist es prägender Bestandteil des Ortes.

Wer durch den Kurpark in Bad Zwischenahn weiter flaniert, passiert das Alte Kurhaus von 1874, erbaut nach den Plänen von Ludwig Klingenberg, blickt anschließend auf den Alten Wasserturm, entworfen von dem berühmten Architekten Fritz Höger in den 1930er Jahren und kommt dann zu den so genannten Zwillingsvillen, die Anfang des 20.Jahrhunderts am Zwischenahner Meer entstanden sind.

Die ländliche Bauweise des Ammerlandes wurde durch die Zweiständerhäuser mit der offenen Herdstelle auf der Diele und dem späteren Kammerfach geprägt. Im Westen des Ammerlandes ist schon der Übergang zu der mehr in Ostfriesland gebräuchlichen Bauweise der Gulfhäuser erkennbar. Zahlreiche dieser Gebäude sind von den Eigen-tümern erhalten und mit großem Engagement saniert und gepflegt. Teilweise sind diese Baudenkmale durch gastronomische oder andere öffentliche Nutzungen, wie z. B. bei der Krömerei in Westerstede, zugänglich.

Industriegeschichtlich von Bedeutung ist auch die Entwicklung des Stahlwerkes Augustfehn. Eine historische Dampfmaschine in einem Glaspavillon und Dampfhämmer, die am Eingang besichtigt werden können, legen Zeugnis ab von der frühen Industrialisierung. Zu einem harmonischen Gesamteindruck tragen die beschaulichen Klinkerstraßen mit den eindrucksvollen Alleen bei, wie z. B. die Liebfrauenstraße in Hollwege oder die  Heinrichstraße in Bad Zwischenahn, die von den Gemeinden hervorragend gepflegt auch heute noch einzelne Ortschaften verbinden.


 
zurück