Ammerländer Löffeltrunk

Ammerländer Löffeltrunk
mit der linken Hand...

Ammerländerinnen und Ammerländer mögen es gern  geistreich: Für „Heet un Sööt“ wird Bier erhitzt, mit Zucker gewürzt und so lange hin und her gegossen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Hermann Löns, der Zwischenahn 1910 besuchte, war besonderer Freund dieses geistreichen Getränks.

Berühmt ist der "Ammerländer Löffeltrunk", ein ca. 100 Jahre alter Brauch. Im Jahre 1910, nach der Einweihung des Museums Ammerländer Bauernhaus und des dazugehörigen „Spiekers“, hatte einer der Museumsgründer verlangt, dass im „Spieker“ kein Alkohol ausgeschenkt werden sollte. Weil aber seine Mitstreiter doch einmal gern „´n lüttjen Korn“ tranken, es aber keine Schnapsgläser im „Spieker“ gab, kamen sie auf die Idee „den Läpel för den Sluck to nähmen“. Dabei wird der Löffel grundsätzlich in die linke Hand genommen.

Wer die Ammerländer Geschichte kennt, wird schnell nachvollziehen können, warum dies der Fall ist. Nach nicht immer nur guten Erfahrungen mit unseren ostfriesischen Nachbarn hatte sich den Ammerländern nachhaltig eingeprägt, die rechte Hand immer wehrhaft bereitzuhalten, da man jederzeit mit einem Überfall der Ostfriesen rechnen musste.

Zu der Trinkzeremonie gehört ein plattdeutscher Spruch, wobei der Gastgeber beginnt und sich mit seinen Gästen im Aufsagen abwechselt. Unmittelbar nach dem Prost werden die Zinnlöffel mit der Zunge so trocken geleckt, dass beim anschließenden Ablegen auf ein Handtuch keine feuchten Ränder entstehen. Gelingt dies bei einem oder mehreren nicht, beginnt die Zeremonie von vorn. Abgelegt werden die Löffel aber erst nach vollendetem Aufsagen des gesamten Spruches. Ammerländer Löffeltrunk wird vor allem vor und nach einer Smortaal–Mahlzeit zelebriert. Getrunken wird klarer Weizenkorn, derselbe, der auch zum Händeabwaschen nach dem Aalessen dient. Eine bekannte Ammerländer Sorte hieß in früheren Zeiten kurz nach dem Krieg „Darmfeger“.  Dat goh jo good!


 
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