Die Perle des Ammerlandes: das Zwischenahner Meer

Das Zwischenahner Meer liegt in der Mitte des Ammerlandes. Nach einer im Oldenburgischen weit verbreiteten Sage ist es ein Teufelswerk – „Düwelswark“, wie man hier sagt: „Als nämlich in der Stadt Oldenburg die erste Kirche gebaut wurde, beschloss der Teufel, sie in seinem Zorn zu zerstören. Er riss in der Nacht bei Zwischenahn einen Wald aus dem Erdboden und trug ihn über das Moor, um ihn auf die Stadt auszuschütteln. Als er eine Strecke weit gekommen war, krähte ein weißer Hahn. Da sprach der Teufel: ‚Witte Hahn witt, ich acht’ di enn Schitt!’ Der Teufel setzte seinen Weg fort. Nach einer Weile krähte ein roter Hahn. Da sprach der Teufel: ‚Rode Hahn ro’, ich acht di so no (ungern)’ und ließ einen Teil des Waldes fallen. Das ist der kleine Wildenloh, ein Wald. Endlich krähte ein schwarzer Hahn. ‚Swarte Hahn swart, du treddst mi all wedder up’t Hart!’ schrie der Teufel und warf die übrige Last ins Moor. Dort ist heute ein Wald, der große Wildenloh in der Gemeinde Edewecht. Wo der Teufel aber bei Zwischenahn den Wald aus dem Erdboden gerissen hatte, da entstand das Zwischenahner Meer.“

Entstanden ist dieser 554 Hektar große See, heute als Perle des Ammerlandes bekannt, der Sage nach also aus dem Widerstreit der Mächte. Auch heute noch ist er ein von vielen  begehrtes Juwel und steht deshalb manchmal im Widerstreit verschiedener Nutzergruppen. Das Gewässer im Herzen des Ammerlandes ist nach dem Steinhuder Meer und dem Dümmer der drittgrößte Binnensee Niedersachsens. Liebreizend liegt dieser See, der sich „Meer“ nennt, inmitten einer landschaftlich attraktiven Umgebung. Für viele Erholungsuchende ist er deshalb begehrter Anziehungspunkt.

Mit seiner maximalen Tiefe von fünf Metern gehört das Zwischenahner Meer zu den Flachwasserseen und ist mindestens 13 000 Jahre alt. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen – und die sind im Vergleich zu oben beschriebener Sage sicherlich um einiges prosaischer – ist der See tatsächlich wohl am Ende der Eiszeiten durch den Einbruch eines Salzstockes entstanden. Der Untergrund des Sees besteht aus über sieben Metern Seesedimenten, die sich aus pflanzlichen und tierischen Sinkstoffen zusammensetzen, die über den älteren Sanden lagern und den See natürlicherweise nährstoffreich machen. Diese Sedimente stellen ein wertvolles Naturarchiv dar, weil in ihnen die Naturgeschichte der Landschaft des für das weitere Umland einmaligen Sees niedergelegt ist. Somit hat das Zwischenahner Meer eine besondere Bedeutung für Wissenschaft-, Natur- und Heimatkunde.

 


 
Auf den feuchten bis nassen Böden der Uferbereiche am Zwischenahner Meer und an den Fließgewässern hat sich eine artenreiche Flora und Fauna mit teilweise seltenen und gefährdeten Arten und Pflanzengesellschaften entwickelt. Ebenso bedeutend für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild sind die im Schutzgebiet vorhandenen  Fließgewässerabschnitte.Sie gliedern die Landschaft und bieten den speziell an diese Biotope gebundenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Naturnahe Strukturen wie leichte Mäander, Kolke, Uferabbrüche und standortgerechte Baumbestände runden das Landschaftsbild ab. Gemeinsam mit den gliedernden Kleinstrukturen wie Wallhecken, Baumreihen, Alleen, Feldgehölzen und Laubmischwaldflächen ergibt sich hier ein schönes abwechslungsreiches Bild der Landschaft. Die traditionellen Landnutzungsformen wie die Eschbereiche und kulturhistorische Siedlungs- und Bauformen vermitteln einen Eindruck über die Nutzung, die die Landschaft am Zwischenahner Meer in früheren Zeiten geprägt hat.

Aber nicht nur die Entstehung des Zwischenahner Meeres, sondern auch die landschaftliche Entwicklung rundherum ist sehr bewegt. Während in der unberührten Naturlandschaft noch Erlenbruchwälder das Landschaftsbild prägten, entstanden durch die Ansiedlungen der Menschen am Rande des Meeres Waldweiden. Später wurden daraus breite Wiesen rund um den See, die von den umliegenden Bauern zur Heugewinnung gemäht wurden. Das gesamte Seeufer wurde schon 1949 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Ein kleiner Teil des Uferstreifens in der Nähe von Dreibergen, bekannt unter dem Namen „Stamershop“, steht sogar seit den 30er-Jahren unter strengem Naturschutz.

Heute ist das Landschaftsschutzgebiet Zwischenahner Meer mit Umgebung durch seine Gebüsche und Kleingehölze, Fließgewässer und Stillgewässer, Sümpfe, Niedermoore, Röhrichtbestände, die extensiv genutzten Feuchtwiesen und Feuchtweiden, die Bracheflächen, die Eichenmischwaldflächen, kleinflächige Feuchtwälder, landwirtschaftlich intensiv genutztes Grünland und Ackerland geprägt. Schwimmblattpflanzen, ein reizvoller Schilfgürtel sowie feuchte Erlenbruchwälder mit Weidengürteln kennzeichnen das Ufer und tragen wesentlich zur landschaftlichen Schönheit des Zwischenahner Meeres bei.

 


Das Zwischenahner Meer und seine Umgebung sind jedoch nicht nur eine Besonderheit für Natur und Landschaft im Landkreis Ammerland, sondern auch ein Anziehungspunkt für Naherholung und Tourismus. Ferienhausgebiete, Dauerwohn- und Parkanlagen, die überwiegend durch einen hohen Anteil an Altbaumbeständen in die Landschaft eingebunden sind und die Uferbereiche nur wenig beeinflussen, sind weitere Elemente dieser Landschaft und unterstreichen die für die Erholungsnutzung besondere Bedeutung des Zwischenahner Meeres. Ein teilweise im gebührenden Abstand zum Uferbereich führender Wanderweg rund um das Zwischenahner Meer bietet an einigen exemplarischen Stellen die Möglichkeit, direkt ans Ufer des Sees zu gelangen.

Sowohl in Dreibergen als auch im Kurort Bad Zwischenahn kann man sich ein Ruderboot oder Tretboot leihen, um die Schönheit dieser Landschaft vom Ufer aus zu genießen. Mit der „Weissen Flotte“, einem Ausflugsschiff, das in der Saison täglich mehrmals verkehrt, lohnt sich eine Rundfahrt oder ein Abstecher vom Kurort Bad Zwischenahn quer über das Meer nach Rostrup zum Park der Gärten. Aber nicht nur für die ruhige Erholung, sondern auch für den Wassersport ist das Zwischenahner Meer ein Paradies. Ringsherum gibt es öffentliche Zugänge zum See und zu den Häfen, die den Urlaubern und Tagesgästen die Möglichkeit der sportlichen Entspannung beim Segeln, Surfen oder Kanufahren bieten. Neben den Sportfischern betätigen sich auch die Berufsfischer am See, stellen ihre Netze auf und geben den Gästen und Einheimischen eine kulinarische Kostprobe davon, was das Meer zu bieten hat.

Dieses für Natur und Landschaft, für ruhige und sportliche Erholung sowie für die Fischereiwirtschaft wertvolle Juwel liegt allen am Herzen. Das Bestreben, das "Meer" auch für die Zukunft zu erhalten, führt dazu, dass das Einvernehmen der Verantwortlichen untereinander wesentlich größer ist als zwischen Teufel und Kirche, deren Zwietracht ja der Sage nach das Zwischenahner Meer zu verdanken ist. Die Surfer und Segler halten ausreichenden Abstand zum Ufer und legen nur an den ihnen zugewiesenen Liegeplätzen an, um damit den Schilfgürtel, der aus unterschiedlichsten Gründen in der Vergangenheit bereits stark zurückgegangen ist, nicht zu gefährden. Die Anlieger nutzen ihren Zugang sehr behutsam, um weiteren Schaden im Uferbereich zu vermeiden. Und Boote mit Verbrennungsmotoren sind ohnehin nur in besonders begründeten Einzelfällen zugelassen, vornehmlich für die Lebensrettung und die Berufsfischerei. Dadurch werden Ruhe und Genuss durch diese im Landkreis Ammerland einzigartige „Perle“ auch in Zukunft für jedermann gewährleistet sein.

 
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